An der Universität Zürich herrscht akuter Platzmangel. Nicht nur in den Hörsälen, sondern auch an den Arbeitsplätzen wird es eng. Studierende wollen aber nicht näher zusammenrücken.
Die Platznot an der Zürcher Uni ist nicht nur in den Hörsälen ein Problem. Auch die Plätze in der Bibliothek und den Studenten-Arbeitsplätzen sind ein rares Gut. Zudem steigt die Zahl der Studierenden und Mitarbeiter weiter. Nun schlagen Studierende am Historischen Seminar Alarm.
Die Bibliothek des Historischen Seminars zählt 60 Lesesaalplätze – für 2500 Studenten. Hinzu kommen 68 Arbeitsplätze, verteilt auf drei Räume. Das seien zu wenige, findet die Seminarleitung. Von der Uni bekam sie bereits im vergangenen Frühling die Zusage, dass mehr Arbeitsplätze entstehen sollen. Es ist geplant, die entsprechenden Flächen in der Bibliothek und der studentischen Arbeitsräume mittels Renovationen zu verdichten, um weitere Arbeitsplätze zu schaffen.
Anonyme Masse
Die Studierenden lehnen eine Verdichtung aber ab. «Hauptfachstudierende verbringen sehr viel Zeit in diesen Räumen. Deshalb hat sich hier eine sehr persönliche Atmosphäre ausgebildet», sagt Mirjam Sidler, ehemaliges Mitglied des Fachvereins am Historischen Seminar (FVhist). Dabei sei insbesondere der Austausch mit anderen Studierenden von unschätzbarem Wert, wenn man an seiner Abschlussarbeit schreibe. «Wir befürchten, dass nach der Verdichtung unserer Räume nur noch Arbeitsplätze für eine anonymisierte Masse von Studierenden übrig bleiben», sagt Sidler weiter.
Die Seminarleitung begrüsst zwar die zusätzlichen Arbeitsplätze, dass man den Studierenden jedoch einen der «heimeligen Räume» wegnimmt, bedauert auch Monica Kalt, Geschäftsführerin des Historischen Seminars. Was die Räumlichkeiten betrifft, so stecke das Seminar in einem Dilemma. «Einerseits brauchen wir für Studierende sowie die wachsende Zahl von Doktorierenden und Mitarbeitenden zusätzlichen Raum, andererseits ist das Historische Seminar heute schon auf drei Gebäude im Bereich der Uni Zentrum verteilt», erklärt Kalt.
Mangelnde Kommunikation
Ein vierter Standort würde die Kommunikation und Zusammenarbeit der Fachkräfte beeinträchtigen. «Auch könnten das nur einzelne temporär zu nutzende Räume sein. Wir müssen also nach innen verdichten.» Grund dafür ist der Raummangel der Universität. Kalt ist überzeugt, dass das Historische Seminar nicht das einzige ist, das zusätzliche Räume braucht.
Der FVhist bemängelt in erster Linie die fehlende Kommunikation seitens der Seminarleitung. «Da diese sich schon seit einiger Zeit mit der Raumproblematik beschäftigt, hätten die Studierenden früher informiert werden müssen, damit wir unser Mitspracherecht hätten nutzen können», sagt Sidler.
Mangelnde Informationen sind denn auch der Grund, warum viele von ihnen Angst hatten, vor die Tür gestellt zu werden, und weshalb sie die Initiative ergriffen haben. An der geplanten Renovation lässt sich indes nichts mehr ändern. Jedoch gewährt die Seminarleitung ihren Studierenden nun ein Mitspracherecht beim Nutzungskonzept der Arbeitsräume.


Martina Schmieder


