Die Forschungsabteilung des bekannten Soziologen Kurt Imhof soll zum Institut geadelt werden. Gleichzeitig will Imhof aber dessen Leitung abgeben.
Er ist der bekannteste Medienprofessor der Schweiz. Kurt Imhof spricht über gesellschaftliche Themen nicht nur hochintellektuell, sondern auch volkstümlich: «Die Empörung über Massenbesäufnisse provoziert Massenbesäufnisse», sagte er in einem Interview zum seinerzeit neuen Phänomen der «Botellones». 180-mal kam Imhof innerhalb des letzten Jahres in der Schweizer Presse vor, dazu kommen Auftritte an Radio und Fernsehen sowie Vorträge wie jener an einem Anlass der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft zum neuen Strafrecht.
Imhof ist an der Uni Zürich Professor sowohl für Soziologie als auch für Publizistikwissenschaft. Zudem führt er seine eigene Abteilung, den Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft (Fög). Dort wird alles, was in Schweizer und internationalen Medien über Schweizer Themen erscheint, akribisch gesammelt und wissenschaftlich ausgewertet.
Imhof hat den Forschungsbereich zusammen mit Mitarbeitern vor 15 Jahren gegründet und dafür viel Geld von aussen hereingeholt. Diese sogenannten Drittmittel stammen aus nationalen und internationalen Forschungsfonds und von privaten Förderern, die ihre Beiträge über eine Stiftung einfliessen lassen.
Das Fög-Team mit heute gegen 50 Mitgliedern – ein Grossteil davon Werkstudenten in Teilzeitanstellung – finanziert seine Forschung zudem stark durch Dienstleistungen für private und öffentliche Auftraggeber. Die UBS und die Berner Kantonalbank, die Bankiervereinigung ebenso wie das Militärdepartement VBS liessen oder lassen sich für Hunderttausende von Franken darüber aufklären, wie ihre Arbeit in den Medien wahrgenommen und dargestellt wird.
Aufwertung und mehr Geld
Wie mehrere mit den Uni-internen Vorgängen vertraute Personen dem «Tages-Anzeiger» bestätigen, ist die Aufwertung aber nicht nur einfach eine «Option»: Das Uni-Rektorat hat die feste Absicht, den Fög mit dem Institutstitel zu adeln. Zudem soll das neue Institut zusätzliche Universitätsmittel für seine Forschung erhalten, namentlich für das vom Fög publizierte umfangreiche Jahrbuch «Qualität der Medien». In den Verhandlungen kam ein wichtiger Grund für das Entgegenkommen der Uni nicht zur Sprache. Es ist aber ein offenes Geheimnis: Imhof hatte 2010 aus Basel ein – wenn auch vage formuliertes – Angebot erhalten, mit seinem Team an die dortige Universität zu wechseln. Imhof versprach sich dort bessere Forschungsbedingungen. Der Wechsel aber platzte.
Denn der Basler Unirektor kam mit seinem Zürcher Amtskollegen Fischer überein, sich gegenseitig keine Professoren abzujagen. Dem unzufriedenen Fög-Gründer Imhof versprach die Uni Zürich damals eine Aufwertung seines Forschungsbereichs.
Fög von Imhof unabhängiger
Gleichzeitig mit der Umwandlung zum Institut will der 56-jährige Imhof die Leitung des Fög an drei seiner engsten Mitarbeiter abgeben und «operativ kürzertreten», wie es heisst. Imhof soll dafür Präsident des Stiftungsrats werden. Er bleibt auch Professor am Soziologischen Institut und am Institut für Politikwissenschaft. Imhof begründet den Rückzug damit, dass er das künftige «Institut Öffentlichkeit und Gesellschaft» von seiner Person unabhängiger machen und seine künftige Weiterentwicklung absichern wolle.
Gegen aussen kommt der geplante Rückzug Imhofs aber anders an: Bereits informierte private Auftraggeber des Fög begrüssen den Schritt, weil das künftige Institut damit von der kontroversen Person Imhofs besser getrennt sei. Die häufigen Medienauftritte zu (gar) vielen Themen und sein Streit mit Journalisten und Verlegern um das Jahrbuch «Medienqualität» hatte bei diesen Auftraggebern zu Stirnrunzeln geführt.


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