Wir haben ARCO – einer der wohl international anerkanntesten spanischen Kunst-Events. Zwei ältere Menschen stehen an der Ticketkasse und fragen nach dem Preis. “40 Euro”, heißt es. Der Mann schüttelt den Kopf: “Gibt es keine Ermäßigung für Senioren?” “Nein”, heißt es hinter der Scheibe. Der Spanier, gekleidet in Cordhose und Wolljacke, dreht sich um zu seiner Frau: “Dann gehen wir nicht. Schließlich wollten wir ja nur sehen, was die schlecht gemacht haben.” “Was haben die denn schlecht gemacht?”, fragt die junge Frau hinter dem Mann, eine Ausländerin. “Stellen Sie sich vor, die haben Franco in den Kühlschrank gesteckt. “Dabei gehört er doch verbrannt”, denkt sich die junge Frau und denkt sich: “Das will ich unbedingt sehen”.
Das Werk des Künstlers Eugenio Merino, 36 Jahre alt, den Diktator Francisco Franco in den Kühlschrank zu stecken, ist eine Kritik an der spanischen Gesellschaft, die nicht abgerechnet hat mit der Geschichte, die einfach weitermacht, so als ob 40 Jahre Diktatur ein Spaziergang gewesen wären und der Staatsstreich des Generals, später Staatschef auf eigenen Wunsch, der sinnvollste und einzige Weg aus dem Chaos der Republik gewesen wäre.
Der 41jährige Fernando Sánchez Castillo hat eine Büste des Faschisten Franco aufgestellt, die sich unaufhörlich dreht. So als würde es nie aufhören, so als ob er immer noch im Mittelpunkt der spanische Gesellschaft steht, auch wenn er nicht mehr sichtbar ist.
“Das Problem Spaniens ist, dass Franco im Bett gestorben ist”, das denken viele Spanier, die im Bpürgerkrieg auf der anderen Seite gekämpft haben und ihre Angehörigen nicht begraben konnten, dessen Großeltern unschuldig verurteilt und erschossen wurden. “Die Transición hat zulange gedauert”, das denken immer mehr Menschen im Alter von Merino und Sánchez Castillo. Geschichte kann man nicht vergessen, man muss sie aufarbeiten und respektieren.
Stattdessen erhalten Ex-Mitglieder der Franco-Regierung fast ein Staatsbegräbnis, können barbarische Dinge von Menschen aus dieser Zeit in der Öffentlichkeit gesagt werden, ohne dass sich die Medien darüber aufregen. Es gibt immer noch Franco-Statuen und sogar eine Franco-Stiftung, die mit öffentlichen Geldern unterstützt wird.
Man kann über den Kunstwert von “Franco im Kühlschrank” streiten, aber Merino hat eine Debatte angeregt oder neu belebt, die dringend notwendig ist.


Martina Schmieder


