Am 10. Februar laden die Europäische Akademie Berlin und die Student Teachers der Maastricht University von 9:00 bis 17:00 Uhr zu einem Projekttag zum Thema „Europe And You“ in der Bismarckallee 46/48 ein. Unterstützt wird die Initiative von der Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa sowie vom Auswärtigen Amt und von der Bundeszentrale für Politische Bildung. Die Veranstaltung richtet sich an SchülerInnen der Sekundarstufe II.Bei den EU Student Teachers handelt es sich um Studenten der Fachrichtung European Studies an der Universität Maastricht, die sich zur Aufgabe gemacht haben, Schüler der Sekundarstufen in Deutschland, Niederlanden, Belgien und in anderen Ländern der EU im Bezug auf Europa aufzuklären. In einer Zeit, in der Europa von einer Welle heftiger wirtschaftlicher Erdbeben erschüttert wird und der Glauben an den Euro Gefahr läuft im Schutt der Krisen begraben zu werden, ist es um so wichtiger die jungen Europäer zu informieren, damit sie nicht durch die Flut der Nachrichten davongeschwemmt werden.
Natascha Spörle stammt aus Freiburg in Deutschland, ist Studentin an der Universität Maastricht, Mitglied der European Studies Association Concordantia und Student Teacher.
Adriana Leidenberger: Wie bist du du der Gruppe gekommen?
Natascha Spörle: Die Idee kam im Frühjahr 2010 auf, woraufhin eine Gruppe von Studenten begann den Inhalt und Aufbau der Workshops zusammenzustellen. Ich selbst, bin erst nach den Semesterferien im September zu den ‚Euroteachers’ gestoßen. Sie suchten nach neuen Mitgliedern und als ich das erste Mal von dem Projekt hörte, war ich sofort begeistert.
Adriana Leidenberger: In wiefern?
Natascha Spörle: Wir lernen in der Uni so viel über die EU. Gleichzeitig zeigen die Medien und Foren, wie skeptisch die Bevölkerung gegenüber der EU ist und auch wie unwissend. Daher finde ich es klasse wenn wir in den Schulen für mehr Bildung sorgen können. Die Euro-skeptischen Stimmen, die zur Zeit vermehrt auftreten, ärgern mich und stimmen mich in gewisser Weise auch traurig – weil ich an die EU glaube. Sie benutzen dabei oft Argumente die schlichtweg falsch sind, oder zumindest nur halbwahr.
Adriana Leidenberger: Wo liegt deiner Meinung nach das Problem?
Natascha Spörle: Ich denke ein Teil des Problems liegt darin, dass die EU nicht so präsent ist, wie das Land in dem man lebt. Und mal ehrlich, wie viele Deutsche sind wirklich gut über Deutschland und deutsche Politik informiert? Die Schulen vermitteln ihrerseits auch nicht viel Wissen über die EU. Zumindest stand bei keinem von uns Euroteachers die EU auf dem Lehrplan – und wir kommen nicht nur aus verschiedenen Bundesländern, sondern auch aus verschiedenen Ländern der EU.
Adriana Leidenberger: Was ist euer Ziel?
Natascha Spörle: Unser Projekt soll Wissen über die EU vermitteln. Wir wollen auch keine Werbung für die EU machen, sondern einfach nur Grundwissen und Fakten verbreiten, damit sich jeder selbst eine fundierte Meinung bilden kann.
Adriana Leidenberger: Was ist eure Zielgruppe?
Natascha Spörle: Der Workshop richtet sich an Schüler zwischen 15 und 19 Jahren. Das ist ein wenig abhängig von der Schule, dem Vorwissen und dem Englisch-Niveau. Die Workshops werden derzeit nur auf Englisch angeboten. Allerdings spielen wir mit dem Gedanken, Teile des Workshops auch auf Deutsch oder Französisch abzuhalten.
Adriana Leidenberger: Kannst du uns kurz den Ablauf eures Workshops zusammenfassen?
Natascha Spörle: Generell beginnen wir mit einer kurzen Vorlesung, in der wir die Entstehung der EU vorstellen und wie sie heute funktioniert. Außerdem gehen wir auf aktuelle Themen ein, zur Zeit zum Beispiel die Finanzkrise. Die Schüler dürfen jederzeit Fragen stellen, wenn sie etwas nicht verstehen, egal ob es um Inhalte aus dem Vortrag geht, oder um Themen die sie in den Nachrichten gehört haben.
Nach einer kurzen Pause teilen sich die Schüler dann in drei Workshops auf. Momentan bieten wir einen Workshop über Europäische Wirtschaft an, einen über Identität und Kultur, und einen über Internationale Beziehungen. Der Wirtschafts-Workshop ist etwas komplex, aber wir halten ihn für sehr wichtig, da die EU ja ursprünglich als Wirtschaftsgemeinschaft gegründet wurde.
Adriana Leidenberger: Kannst du den Inhalt ein wenig konkretisieren?
Natascha Spörle: Der Workshop über Identität und Kultur stellt die Frage, ob die EU von diesem Blickpunkt aus funktionieren kann. Fühlen wir uns als Europäer, oder doch als Deutsche, und in wiefern spielt die lokale Identität eine Rolle? Sind unsere Kulturen zu unterschiedlich, als dass wir eine engere Union bilden könnten? Wie stehen wir Ausländern, oder Andersdenkenden gegenüber?
Zum Thema Internationale Beziehungen, dreht sich alles um die EU und ihre Rolle in der Welt. Wir versuchen hier Fragen zu beantworten wie: Warum sind internationale Beziehungen wichtig und mit wem unterhält die EU Beziehungen? Was ist die Rolle der EU in Entwicklungshilfe, im Klimaschutz, oder anderen globalen Themen? Warum könnte es auch für die Mitgliedsstaaten von Vorteil sein, nicht alleine zu handeln, sondern im Rahmen der Gemeinschaft?
In jedem Workshop werden die Schüler aktiv eingebunden, indem wir nach dem Prinzip des Problem Orientierten Lernens verfahren, das auch in der Universität Maastricht angewendet wird. Am Ende jedes Workshops lassen wir die Schüler in kleineren Gruppen kleine Vorträge erarbeiten, die sie dann am Ende vorstellen.
Adriana Leidenberger: Habt ihr schon praktische Erfahrungen sammeln können? Wie wurde euer Angebot von den Schulen, Lehrern und Schülern aufgenommen?
Natascha Spörle: An einer Schule in Amsterdam haben wir unseren ersten Workshop gehalten. Das Feedback der Lehrer und Schüler war durchweg positiv. Wir waren überrascht wie viel die Schüler schon wussten, und das obwohl sie erst 14/15 Jahre alt waren, und unsere Workshops ursprünglich für 17/18 Jährige geplant waren. Natürlich gibt es noch viel zu verbessern, und zu ändern, aber insgesamt war es ein Erfolg. Als nächstes sind wir Anfang Februar in Berlin an einem Projekttag der Europäischen Akademie in Zusammenarbeit mit der Schwarzkopf Stiftung. Ausserdem sind wir auf der Suche nach weiteren Schulen, die sich für unser Projekt begeistern lassen.
Adriana Leidenberger: Was steht in nächster Zukunft an?
Natascha Spörle: Auf das Projekt bezogen ist das nächste Ziel, mehr interessierte Schulen zu finden, zum anderen aber auch, das Projekt langfristig zu sichern. Dazu brauchen wir weiterhin motivierte Studenten, aber auch ausreichend finanzielle Unterstützung. Daher bewerben wir uns derzeit bei einer Initiative der EU – Jugend in Aktion – um eine Förderung.
Adriana Leidenberger: Wir wünschen euch viel Erfolg und danken für das Gespräch.
Interessierte Schulen und Lehrer können sich an a.leidenberger@gmx.de wenden oder an info.eurosteachers@gmail.com. Weitere Informationen finden Sie auch auf der Homepage von Concordantia http://www.concordantia.eu/ und auf der Seite der Europäischen Akademie Berlin: http://www.eab-berlin.de/Veranstaltungen-der-EAB.programm.0.html


Martina Schmieder


