BERLIN: Camper-Stäbchen

von Cathrin Brandes, eine Spanierin in Berlin Nun begab es...
von Cathrin Brandes, eine Spanierin in Berlin
Nun begab es sich im Dezember, dass die Tante aus Peking zu Besuch in Berlin weilte und sie hatte  keine Mühe, mich zu einem Abendessen im “dos palillos” zu überreden. Zugegebenermaßen hat mich das das Konzept des “dos palillos” im Hotel der Schuhmarke Camper erstmal nicht sehr überzeugt und dass, obwohl ich lange Jahre nichts anderes als Camper an meine Füße gelassen habe! Also das konzept ist “Tapas mal anders, nämlich asiatisch”. naja.
Das ein eleve/langjähriger Küchenchef von Ferran Adriá für die Küche verantwortlich ist, hat mich buchstäblich nicht hinter meinem Neuköllner Ofen hervorgelockt. Skeptisch wie ich bin, wenn Köche zur Marke werden und für alles (inkl. sandwiches bei Fluggesellschaften) ihren Namen hergeben, um Geld zu verdienen. Ein blick auf die Homepage hat meine Vorurteile nur bestätigt. Der schlecht aus dem Spanischen ins Deutsch übersetzte text..Kann da viel liebe drinstecken? lesen sie selbst:

der selbe name, die selbe begeisterung,
beinahe dasselbe konzept,
eine andere stadt, andere gesichter,
sein eigener styl, seine eigene persönlichkeit,
eine andere atmosphäre, unterschliedliche dekorationen,
dieselbe ernsthaftigkeit, dieselbe illusion

 

Also hatte ich das “dos palillos” eigentlich abgehakt, bis ich anfing Stimmen zu hören, nicht aus dem Jenseits, sondern von kulinarisch vertrauenswürdigen Menschen. Stimmen, die mich lockten, Stimmen, die mir zuflüsterten: geh dahin, geh in “dos palillos”, es lohnt sich! Also kam mir der Wunsch der Tante gerade recht. “Dos palillos” heißt im übrigen “zwei Stäbchen” auf spanisch.
Wir treffen auf eine spanische Tapas Bar als asiatische Garküche verkleidet. Clever!  Und wählen dann das “kleinere” Menü mit den 12 Gängen. Wir starten mit dem Aperitiv bestehend aus viel Schaum und Cranberry Wodka. Die molekulare Küche lässt grüßen. Es schmeckt ein bißchen wie geshakter Hustensaft. Mir fehlt auch der link zwischen Asien und Cranberrys.
Während wir so trinken, bestaunen wir die schicke offene küche und den großen Personalaufwand. Wir zählen 6 Köche.  Alle blutjung bis jung, die Hälfte davon sind unverkennbar Spanier. Los gehts mit einer Japan/Spanien-Fusion aus Shiitake Pilzen und pimientos de padron (kleine grüne Paprikaschoten) in miso und sake gegart.  Das nennt sich tsukudani.
Der nächste Gang, die Auster in Ponzusauce begeistert mich schon mehr. Erstens liebe ich austern. zweitens passt die zitronige Ponzusauce ausgezeichnet dazu. Dann kamen Schwertmuscheln thailändische Art. Die waren süsslich mariniert und mit Algen dekoriert. Die aus dem Atlantik stammende Schwertmuschel war über das Thailändische bestimmt überrascht, aber geschadet hat das keineswegs -  im Gegenteil. Sehr zu meiner Freude geht es muschelig weiter. Diesmal serviert von einem der spanischen Jungköche. Muscheln in Kokoswasser die vor unseren Augen gegart werden. Das ist ansprechend und der Koch freut sich, dass wir auf Spanisch plaudern können.
So ganz mein Fall sind die Miesmuscheln mit dem Kokos aber nicht. Es geht weiter mit Anchovis in Tempura. Auch in Spanien sind in Teig fritierte Fische und Meeresfrüchte ja sehr beliebt. Bei mir auch und so ist dieser Gang sehr gut angekommen.
nach den vielen kleine fischminiportionen wird es sättigender. baozi, gedämpfte dumplings, werden uns serviert gefüllt mit einer zimtigen fleischfüllung. (hatte ich gerade selber gemacht,. bei speisenklub neukölln :-) . danach ein verzichtbarer gang mit sushi zum selbermachen. weder gelingt
uns das besonders gut noch ist  der thunfisch ein besonderes highlight. der kalamar gemüse wok ist wiederum ein highlight. alles schön knackig, frisch und zart. nun gibt es noch yakitori hühnchen spiesse, nett aber nicht überwältigend. und dann das dessert. und das ist wirklich wirklich exzeptionell.
ein pochiertes wachtelei mit pandanusseis in einer salzigen brühe. hier schmilzt alles schön ineinander und dann schmiegt es sich an den gaumen und man hat das ah und oh der süssen und salzigen überraschungen und da war wirklich ein meister am werk!
ein bisschen mehr davon und das menu wäre seinen preis von 50 (oh gott oder waren es 60?) euro voll wert gewesen.
Insgesamt fand ich das Preis-Leistungsverhältnis o.k, aber es war nicht unbedingt der kulinarischen Leistung, sondern eher dem Service angemessen. Mit Cava, Wasser  und der Flasche Yarello von albet y nova kamen wir auf 80 euro pro Person.

No related content found.

Post Popularity 0%  
Popularity Breakdown
Comments 0%