MADRID: Al final del túnel

Al final del túnel von Eterio Ortega Santillana Mareike Philipp...

Al final del túnel von Eterio Ortega Santillana

Mareike Philipp

Es ist ein Schlussstrich, eine besonnene Abrechnung mit einer Bewegung, deren offizielles Ende bei Abschluss der Dreharbeiten zu „Al final del túnel“ noch gar nicht absehbar war. Drei Wochen nachdem die Eta die definitive Beendigung ihrer bewaffneten Aktivität bekanntgab, kommt das neueste Werk des Regisseurs Eterio Ortega Santilla in die Spanischen Kinos, zu einem Zeitpunkt, der für die Reflexion über den Sinn und das Ziel des baskischen Terrorismus nicht besser hätte gewählt werden können.

Der Film ist sehr langsam und bedächtig, Interview- Passagen mit bedeutenden Eta- Mitgliedern wie etwa Kepa Pikabea, der 28 Jahre lang für Eta im Gefängnis saß, werden durch Landschaftsaufnahmen unterbrochen, Sequenzen über baskische Dorffeste oder einfach Bilder, in denen die Protagonisten still ihre Heimat betrachten. Die Monologe der Interviewten sind die sehr intimen Erzählungen von Menschen, die mit einer dunklen Vergangenheit abrechnen, die über Fehler sprechen und immer wieder die Frage aufwerfen, warum. „Wofür so viel Gewalt, so viele Opfer?“ fragt die Frau von Kepa Pikabea mit Blick in die Kamera zu Beginn des Films. Die traurige Antwort wird durch die Darstellungen der Beteiligten auf unaufdringliche Weise geben. Was wir im Film sehen, sind verirrte Persönlichkeiten, die sich aus missverstandener Liebe zu ihrer Heimat und einem Gefühl der Benachteiligung zum irrationalen Fanatismus bekennen, Schlüsselerlebnisse werden erwähnt, wie etwa der Moment, als Pikabea davon erzählt, wie er in der Schule wegen seiner Baskischen Sprache gehänselt wurde und wie er schließlich entschied, dass die Freiheit seines Dorfes wichtiger ist, als die Menschlichkeit.

Es wäre voreilig zu behaupten, dass solche Bekenntnisse das Phänomen des regionalen Terrorismus erklären oder rechtfertigen könnten, jedoch schafft es der Film, gerade durch diese persönlichen Details, eine subtile Antwort auf die Frage zu geben, warum sich ein Mensch dazu entschließt, sein Leben dem Untergrund und der Gewalt zu opfern. Die „Krankheit des Terrorismus“ wie es einer der Protagonisten benennt, ist eine treffende Umschreibung der gezielten irrationalen Gewalt, deren finales Ziel selbst die Hauptakteure des Verbrechens nicht zu erklären wissen. Dass jedoch die Infektion mit dieser Krankheit in der Verantwortung der Terroristen selbst liegt und wie schwer diese Verantwortung auf den Beteiligten lastet, zeigen die Bilder und Personen in „Al final del túnel“ auf ergreifende Weise. Sie zeigen auch, dass der Weg des bewaffneten Kampfes in eine Sackgasse führen muss, was bezeichnenderweise nun auch die Eta selbst, nach mehr als fünfzig Jahren des blutigen Kampfes für verschrobene Ziele, sich selbst eingestanden hat.

„Al final del túnel“ ist der dritte Teil von Ortega Santillas filmischer Auseinandersetzung mit dem Thema des Baskischen Terrorismus, nach dem 2001 erschienen „Asesinato en Febero“ und „Perseguidos“ aus dem Jahr 2004 realisierte Ortega Santilla sein Werk auch diesmal in Zusammenarbeit mit dem ehrwürdigen spanischen Produzenten und Filmemacher Elias Querejeta.

Foto: Cartel oficial de Al final del túnel.

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