Cristian Avilés ist einer der bekanntesten spanischen zeitgenössischen Realismus-Maler. Eigentlich kommt der 40-Jährige aus Chile, aber für die Deutschen ist er ein spanischer Künstler. Seit 11 Jahren lebt er in Madrid. Die Stadt gilt in Europa als Hochburg des Realismus, wichtige Zentren sind auch Chinchón bei Madrid und Barcelona.
Im Kern ist diese Kunst als ein gefühlvolles Kopieren des Alltäglichen zu verstehen. Entsprechend unprätentiös sind die Motive dieser Bilder: Stillleben, Atelierszenen, Interieurs, menschliche Figuren und – vor allem – die von Menschenhand geformte und doch zumeist menschenleere urbane Landschaft. Die künstlerische Sicht sublimiert das Gesehene, das sich in Farbe, Licht und Form dank der Fantasie des Malers zu einer neuen Wirklichkeit verdichtet. “Keine andere kunstgeografische Region hat wohl in den letzten 30 Jahren eine solche Dichte an Qualität und Entschiedenheit realistischer Gestaltung hervorgebracht und in Fortsetzung ihrer Tradition auch international behaupten können wie Spanien”, hört man aus deutschen Branchenkreisen.
“Ich glaube, dass Deutschland nach den Nazis eine Aversion gegen Realismus empfand. Unter Hitler wurde dieser Stil stark gefördert. Moderne Kunst wie Expressionismus oder Kubismus wurden dagegen als entartet abgestempelt. Nur in der DDR wurde der Realismus weiter gepflegt, aber auch nur aufgrund des Drucks der Sowjetunion. Das erklärt meiner Meinung nach auch, warum sich nach dem 2. Weltkrieg in allen Bereichen der Kultur in Westdeutschland eine starke Abstraktion der Realität als Tendenz entwickelt und bis heute in der Kunst durchgesetzt hat”, sagt Avilés. Berlin gälte da inzwischen als europäische Hochburg. Im Osten malen sie immer noch anders. Das kann man sehr gut in einer Ausstellung der Berliner Neue Nationalgalerie verfolgen: “Der geteilte Himmel. Die Sammlung 1945-1968“: bis Anfang 2013.
Avilés fasziniert der deutsche Hunger nach Bildern wie er sie malt, so schlicht und doch so eindringlich gefühlvoll wie diese Frauenhände. 
Im Panorama Museum in Thüringen wurden Avilés Bilder 2007 im Rahmen einer “Spanische Realisten”-Ausstellung (“Im Lichte der Wirklichkeit – zeitgenössischer Realimus in Spanien) gezeigt: “Das war eine interessante Erfahrung, die Deutschen zeigen hohes Kunstverständnis, sie investieren auch in Kunst. Das fehlt einem manchmal hier in Madrid”, sagt Avilés, der deswegen immer wieder auf Reisen geht mit seinen Bildern.
1991 begann der Chilene Kunst zu studieren in seiner Heimat, dabei war der heimischer Maler Claudio Cortés einer seiner großen Vorbilder und Lehrer. 1999 kommt er nach Europa, besucht Berlin, Paris, London und Rom und bleibt schließlich in Madrid, wo er von der Stiftung “Arauco” gefördert wird. Zusammen mit Künstlern aus aller Welt studiert er in Cuenca Techniken und Kreativität. Dank dieses Stipendiums nimmt er an zahlreichen Ausstellungen in Europa teil, Deutschland fasziniert ihn immer wieder: “Aber was Realismus betrifft, ist Madrid für mich der wichtigere Ort, um zu arbeiten.” Aber der 40 Jährige schließt nicht aus, seine Stilrichtung zu ändern und irgendwann die Realität zu abstrahieren und dann vielleicht auch seinen Lebensmittelpunkt zu verlagern: “Jeder Künstler macht eine Entwicklung durch und ich denke, dass das auch bei mir der Fall sein wird.”
Trotz Wirtschaftskrise kann Avilés derzeit von seiner Berufung und seinem Talent leben: “Ich gebe halt auch Unterricht, um regelmäßige Einkünfte zu beziehen. Noch ist sein Atelier auch seine Wohnung. Die Mieten sind teuer in Madrid. “Reich werden mit Kunst, das ist schwer”, sagt der Chilene, der anders als seine vielen Landsleute, die aus wirtschaftlichen Gründen nach Spanien gekommen sind, hier sozial aufgestiegen ist. Und auch deswegen, will er aus Madrid nicht weg.
Immer wieder gelangen seine äußerst ausdrucksvollen Bilder in bedeutende europäische Ausstellungen und Galerien. 2004 sogar in die “ArtLondon Fair 04″ und 2006 war er bei der “Art Salzburg 2006” vertreten. Weitere Infos zu dem Thema hier.


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