Anfangs, zur Staatsgründung Israels im Mai 1948, standen die liberalen und demokratisch-sozialen Kräfte sowie die nationalen und religiösen Zionisten zusammen. Seit den späten1977er Jahren jedoch haben die Liberalen und die sozial und demokratisch orientierten Zionisten ständig an Boden gegenüber den säkularen und den religiösen Nationalisten verloren: einer Hegemonie der Macht, die sich bis hin zu der gegenwärtigen Netanyahu-Lieberman-Regierung – der am meisten nach rechts ausgerichteten Regierung in Israels Geschichte – entfalten konnte.
Mosse-Lectures
Yaron Ezrahi
“Radical Nationalism against Democratic Citizenship in Contemporary Israel”
Donnerstag, 24. November 2011, 19 Uhr c.t.
Im Senatssaal des Hauptgebäudes der Humboldt-Universität zu Berlin,
Unter den Linden 6, 10117 Berlin
Moderation:
Moshe Zimmermann
Ebenso wie die Vorstellungen von einer freiheitlichen Demokratie und Staatsbürgerschaft bei Spinoza, Kant, Wilhelm von Humboldt und J.S. Mill von der nichtssagenden Wirtschaftsmacht des neoliberalen Marktes eingeebnet wurden, so ging auch in der Politik die Balance zwischen den linken und rechten Parteien verloren. Hinzu kam, dass in Israel, ebenso wie anderswo in der Welt, die soziale Demokratie durch den Niedergang des Sozialismus in den autoritär regierten Staaten an Glaubwürdigkeit verlor.
In Israel gerieten die Liberalen und die sozialen Demokraten auch noch dadurch ins Hintertreffen, dass die israelische Rechte mit großem Erfolg das Post-Holocaust Trauma und den arabisch-israelischen Konflikt sich zunutze machte, um die besetzten Gebiete zu verteidigen und die arabischen Staatsbürger Israels zu diskriminieren. Die beispiellosen Massenproteste dieses Sommers zeigen jedoch, dass die Auseinandersetzungen zwischen der demokratischen Bewegung und dem radikalen Nationalismus keineswegs der Vergangenheit angehören.
Yaron Ezrahi ist Prof. em. für Politische Wissenschaft an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Zu den Gegenständen seiner Forschungen und Publikationen gehören die politische Theorie und Philosophie, die Rolle der Naturwissenschaften in Kultur und Politik und das politische System Israels. Er ist ein prominenter Kritiker der israelischen Besetzungen, der Diskriminierung der arabischen Minderheit und der Fehlentwicklungen der israelischen Demokratie. Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen zählen: The Descent of Icarus: Science and the Transformation of Contemorary Democracy (1990); Rubber Bullets: Power and Conscience in Modern Israel (1998); ins Deutsche übersetzt: Gewalt und Gewissen: Israels langer Weg in die Moderne (1998). Demnächst erscheint sein Buch Imagining Democracy from the Modern to the Post-Modern Era.
Moshe Zimmermann ist Professor für Neuere deutsche Geschichte und Direktor des Koebner-Minerva-Zentrums an der Hebräischen Universität in Jerusalem, Mitglied der Historikerkommission zur Aufarbeitung der Geschichte des Auswärtigen Amtes im Nationalsozialismus, zuletzt veröffentlicht: Deutsche gegen Deutsche. Das Schicksal der Juden 1938-1945 (2008); Die Angst vor dem Frieden. Das israelische Dilemma (2010).
Die Veranstaltung findet in deutscher und in englischer Sprache statt.
Die Mosse-Lectures sind eine Veranstaltungsreihe der Mosse Foundation, New York, und der Fritz Thyssen Stiftung. Veranstalter der Mosse-Lectures ist das Institut für deutsche Literatur an der Humboldt-Universität zu Berlin.
Mehr Auzkunft: http://www.hu-berlin.de/pr/nachrichten/nr1111/nr_111121_01
Foto: turism.Israel


Martina Schmieder


