BPM: Du bist dran

Charles Benoit, Du bist dran, cbt 2011, ISBN: 978-3-570-16123-4, 12,99€...

Charles Benoit, Du bist dran, cbt 2011, ISBN: 978-3-570-16123-4, 12,99€

 Das Buch hält, was das Cover verspricht: Blut und Scherben. Damit beginnt es und damit endet es. Auf den Seiten dazwischen versucht der Protagonist und Erzähler zu erklären – sich und auch dem Leser – wie es dazu kam, dass er nun da steht, mitten in den Scherben und dem Blut. Er, Kyle Chase, 15, erzählt von sich und blickt gleichzeitig von außen auf sich drauf, denn die Geschichte ist in einer überraschenden Du-Perspektive geschrieben. Das klingt komplizierter als es ist, denn Kyle nimmt den Leser an die Hand, stellt ihn an seine Seite und schaut auf die Ereignisse, die ihn in seine Lage bringen, zurück: Wie er auf einer zweitklassigen High School landet, obwohl alle seine Freunde auf eine anständige Schule gehen, wie er zu einem Hoody wird, der ständig in Kapuzenjacke und schwarzen Klamotten herum läuft. Der Leser – und auch er selbst – sehen hilflos zu wie es noch schlimmer wird nachdem ihm vorgeworfen wird einem Fußballstar seiner Schule das Portemonnaie gestohlen zu haben, was er nicht getan hat, was aber seine Hemmschwelle, sich wirklich strafbar zu verhalten, verringert. Das nämlich spielt Zack in die Tasche, einem genialen Außenseiter, der aber kein klassischer Streber ist, neu an der Schule, mit merkwürdig altmodischen Klamotten und verstaubten Manieren. Zack macht sich ein Spiel daraus, seine Opfer zu manipulieren, ihre Schwächen zu suchen und sie dort zu treffen: Und da ist Ashley, die Kyle total heiß findet und mit der er viel Zeit verbringt, aber mit der er nicht den Mut findet sich „richtig“ zu verabreden … Zack ist ein Bösewicht nach Chuck Bass Manier (Gossip Girls), intelligent, gelangweilt, verführerisch und hintertrieben.

 Kyles Eltern versuchen ihren Sohn immer wieder zur Vernunft zu bringen – was ihn, Teenager typisch – total nervt. Ihre Predigten aber machen, vom Ende her, von dessen Schwelle aus Kyle erzählt, einen Sinn. Der Leser möchte ihn schütteln und ihn zwingen zuzuhören und zu reagieren.

 Charles Benoit taucht in die Welt jugendlicher Perspektive und Emotionen ein und bietet mit Kyle Chase eine fast perfekte Identifikationsfigur. Umso nachvollziehbarer und schmerzlicher ist der Sog, der Kyle langsam in die Tiefe zieht. Der Leser fühlt und versteht. Dabei gibt es da keinen erhobener Zeigefinger von oben. Das, was langsam an Distanz  und Kritik zu Kyles Verhalten aufkommt, kommt nur vom Leser selbst.

Das Buch ist für Jugendliche ab fünfzehn zu empfehlen, und auch für ihre Eltern, die sich in dem Buch ebenfalls wiederfinden werden.

By Adriana Leidenberger

Foto: Virgil Elliott

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