BPM: Spanisch auf der Überholspur

Spanisch ist gefragt. Laut dem Deutschen Akademischen Austausch Dienst gehen...

Spanisch ist gefragt. Laut dem Deutschen Akademischen Austausch Dienst gehen jedes Jahr rund 10 000 deutsche Studenten nach Spanien. Sie wollen Songs aus Kuba und Peru verstehen, spanische Literatur lesen und Almódovar-Filme im Original sehen. Wer Spanisch spricht, profitiert nicht zuletzt auch von den Chancen, die die Märkte in Spanien und Lateinamerika bieten.

Tina Weigand war begeistert vom ersten Moment an. Das helle Licht in der spanischen Hauptstadt, der blaue Himmel, die Feierlaune der Menschen . „Ich fühlte mich von Anfang an sehr wohl hier, obwohl Madrid auch anstrengend ist“, sagt die junge Diplom-Ingenieurin aus Stuttgart. Denn auf das Nachtleben und den angenehmen Freizeitstress folgt am nächsten Morgen immer der Alltag, flankiert vom lärmenden Verkehr und der schmucklosen Architektur der Stadt. Die 26-Jährige wohnt in der Nähe der Plaza Castilla, einem Verkehrsknotenpunkt, der umgeben von Bürotürmen ist. Nicht gerade die schönste Ecke der sechs Millionen Einwohner großen Metropole. Und über das im Vergleich zu Deutschland teure Leben in Spanien ärgert sich Tina Weigand auch jeden Tag.

Trotzdem möchte sie derzeit nirgendwo anders leben. „Ich will unbedingt die zweitwichtigste Weltsprache lernen“, sagt die Medieningenieurin. Französisch und Englisch beherrscht sie schon, dazu kommt ein bisschen Finnisch aus ihrem Erasmus-Jahr in Helsinki. Jetzt also Spanisch.

Um bei einem Internet-Start-up ihre Diplomarbeit zu schreiben, zog sie im Herbst nach Madrid. Parallel absolvierte sie ein Praktikum und belegte einen Sprachkurs. „So lernt man die Sprache am besten“, sagt Tina Weigand. Anfangs hatte sie versucht, sich mit Englisch durchzuschlagen. Weit ist sie damit aber nicht gekommen.

Jetzt ist sie mit ihrer Diplomarbeit fast fertig und sucht eine Anstellung. Am liebsten würde sie in Spanien bleiben, um etwa Multimediaprojekte zu leiten. Die Chancen seien gut in ihrer neuen Heimat, sagt sie.

Spanisch ist gefragt. Wie Tina Weigand zieht es laut dem Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD) jedes Jahr rund 10 000 deutsche Studenten nach Spanien. Sie wollen Songs aus Kuba und Peru verstehen, spanische Literatur lesen und Almódovar-Filme im Original sehen. Es geht aber auch darum, sich auf dem globalen Arbeitsmarkt einen Vorteil zu verschaffen – durch das Studium, Praktika, bei einer Auslandsstation für die Firma oder als Au-pair-Mädchen.

Schon rund 14 Millionen Menschen weltweit studieren Spanisch. Rund 120 000 davon im Kulturinstitut Cervantes, der offiziellen spanischen Sprachschule, die mit dem deutschen Goethe-Institut zu vergleichen ist. Allein in Deutschland gibt es fast eine halbe Million Spanisch-Studenten. In Frankreich sind es sogar mehr als zwei Millionen. Viele von ihnen zieht es früher oder später auf die Iberische Halbinsel oder nach Lateinamerika. Bei Rucksacktouren durch die Anden packt sie die Faszination, andere gehen danach für ein Praktikum nach Mexiko, Argentinien oder Peru.

Martin Romberg, 29, kam 2003 zum ersten Mal während des Studiums für ein Jahr als Praktikant nach Mexiko. Der Rostocker arbeitete damals für Pricewaterhouse-Coopers (PWC). „Ich konnte als Student was für meinen Lebenslauf tun und gleichzeitig die Sprache lernen. Das war ein Riesenvorteil“, sagt der Ostdeutsche.

Nach seinem Praktikum kehrte Romberg nach Deutschland zurück, um das BWL-Studium in seiner Heimatstadt zu beenden. Einen Teil seiner Diplomarbeit schrieb er jedoch schon wieder in Mexiko. Nach seinem Studium fand er schnell einen Job bei der DEG. Das ist ein Unternehmen der Kfw-Bankengruppe, bei dem er heute als Projektleiter arbeitet. „Einen solchen Job hätte ich in Deutschland wohl so jung nicht bekommen.“

Inzwischen ist er verheiratet, hat ein Kind und glaubt, dass seine Spanisch-Kenntnisse ihm auch beruflich weiterhelfen werden, wenn es nötig werden sollte, das Land zu verlassen. Die Kriminalität ist ein großes Problem in Mexiko, nicht immer fühlt sich der Familienvater sicher. „Wir könnten uns Kanada oder Europa vorstellen, aber theoretisch kann ich mit meiner Familie auch in jedes andere Land Lateinamerikas gehen. Die Chancen für Deutsche sind hier meiner Meinung nach auch noch in den nächsten Jahren sehr gut.“ Die Wirtschaft wachse trotz globaler Krise in den meisten Ländern, die Aussichten seien langfristig attraktiver als in Osteuropa oder Asien.

Aber auch das spanische Barcelona ist voll von jungen und talentierten deutschen Berufsanfängern. Viele davon sind Unternehmensgründer, die hier ihr Glück suchen. „Natürlich ist die Stadt sehr attraktiv. Dazu kommt aber auch noch die Tatsache, dass man mit Spanisch einen großen Markt anspricht“, sagt Madeleine Recknagel von der Concierge-Agentur Oksions, die betuchten Kunden in Barcelona maßgeschneiderte Dienstleistungen offeriert. Die Ostdeutsche hat vorher in den USA gelebt, beherrscht nun selbst zwei Weltsprachen.

Auch die drei spanischen Top-Business-Schulen Iese, IE und Esade profitieren von der zunehmenden Attraktivität der spanischen Sprache. Wer einen zusätzlichen MBA-Abschluss erwerben will, der achtet inzwischen darauf, in welchem Sprachraum er die Management-Weiterbildung absolviert. „Immer öfter fällt die Wahl auf Spanisch. Denn die Spanisch sprechende Bevölkerung erwirtschaftet bereits zehn Prozent des globalen Bruttoinlandsproduktes und die Bedeutung wächst weiter“, sagt Antonio Montes. Er ist Geschäftsführer der Alianza Sumaq der Madrider IE Business School in Lateinamerika.

Spanisch ist zu einem Wirtschaftsfaktor geworden. Denn nicht nur in Spanien und Lateinamerika, sondern auch in den USA wächst die Begeisterung für die Sprache. Sechs Millionen Amerikaner sprechen bereits Spanisch. Die Unesco glaubt, dass es 2050 rund 25 Prozent der US-Bevölkerung sein werden – was natürlich auch durch die starke Einwanderung aus Lateinamerika bedingt ist. Schon jetzt ist Spanisch in vielen US-Schulen die erste Fremdsprache.

Für Telekommunikationsunternehmen, Medien und Verlage ist der Markt mit 500 Millionen Spanisch Sprechenden weltweit einer der derzeit interessantesten. Das war auch ein Gedanke für Tina Weigand, als ihre Wahl auf Spanien fiel: „Egal, wo ich nachher hingehe, mit dieser Sprache werde ich immer ein Plus haben.“

Spanische Konzerne haben auch wegen der kulturellen Nähe Lateinamerika fest im Griff. Iberische Banken haben eindeutige Vorteile gegenüber ausländischen Konkurrenten. Die gemeinsamen Wurzeln haben zudem viele der spanischen Firmen an die Weltspitze gebracht. Mit mehr als 220 Millionen Kunden, die meisten davon in Lateinamerika, gehört der in Madrid ansässige Konzern Telefónica zum Beispiel zu den Top Five seiner Branche. Gleiches gilt für die Bank Santander im Finanzsektor.

Lesen Sie den ganzen Artikel hier.

 

Source: handelsblatt.com

Foto: 344550_R_by_Andreas Morlok_pixelio.de

Post Popularity 0%  
Popularity Breakdown
Comments 0%