Will man sich mit der spanischen Kultur auseinandersetzen, kommt man um eines nicht herum: König Fußball. Spätestens seit dem WM-Sieg im letzten Jahr ist das runde Leder allgegenwärtig. In Bars, am Arbeitsplatz, in Schulen, beim Frisör – überall wird diskutiert über das letzte Liga-Spiel am Wochenende, die Copa del Rey oder die Champions League. Die Gesprächsthemen sind vielfältig: Die Fehlentscheidung des Schiedsrichters, das wunderschöne Tor von Benzema, das grobe Foul an Messi oder die Frisur von Christiano. Über all das und noch mehr wird nicht nur im Detail gesprochen sondern auch geschrieben. Die Menge und Beliebtheit von Sportzeitungen ist in diesem Maß wohl nur noch in Italien zu finden. Seitenlange Berichterstattung über ein Match ist keine Besonderheit. Spielzüge werden bis ins Detail analysiert, die Taktik des Trainers kritisiert und die Leistung der Teams ausgiebig kommentiert.
Im Zentrum stehen dabei stets zwei Teams: Real Madrid und FC Barcelona. Ganz klar dominieren die zwei Clubs jedes Jahr aufs Neue die spanische Liga. Von vorn herein steht fest, der Titel wird an einen der Beiden gehen. Bis ein Team den Pokal in den Händen hält, wird nicht nur am Platz hart gekämpft. Vor allem unter den Anhängern gibt es eine Feindschaft die tiefer zu gehen scheint, als man am Anfang glaubt. Wahrscheinlich liegt es daran, dass Madrid und Barcelona an sich schon in Konkurrenz stehen: Strand gegen Retiro, Gaudí gegen Prado, Touristenattraktion gegen „wahres Spanien“. Spricht man in Madrid über Barcelona hört man oft nur ein abschätziges Seufzen. Genau dasselbe in Barcelona. Deshalb ist die Frage, ob man FC Barcelona unterstützt oder doch Real Madrid keine einfache und sie sollte auf keinen Fall auf die leichte Schulter genommen werden. Es stehen sich zwei Mannschaften gegenüber, die sehr unterschiedlich scheinen und sich im Grunde doch ähnlicher sind als viele glauben. Am Ende haben nämlich beide Clubs dasselbe Ziel: Siegen. Ob das nun durch die „Masia“ in Barcelona (zweifelsfrei ein lobens- und nachahmenswertes Modell) oder die Arroganz Mourinhos (die er offen zugibt und die in den letzten Jahren zu beträchtlichem Erfolg geführt hat) erzielt wird, ist am Ende der Saison wohl den meisten Fans egal.
Ja, zugegeben, es gibt auch von meiner Seite bereits Präferenzen. Auf die Frage welchen Club ich unterstütze, müsste ich ganz klar antworten: Madrid. Die Begeisterung der Fans im Santiago Bernabeu-Stadium hat mich ganz einfach mitgerissen und die Stadium Tour hat ihr übriges dazu getan: Hier kann man hautnah in die Geschichte des Clubs eintauchen, die vielen Pokale laden zum Staunen ein und die Spielerwand erzählt von all jenen, die zum Erfolg dieses Clubs beigetragen haben. Und spätestens wenn man in einer Bar voller Madrilenen sitzt, weiß was das normalerweise für einen Geräuschpegel mit sich bringt und dann die gespannte Stille erlebt, mit der das Geschehen auf Bildschirm oder Leinwand verfolgt wird, ist es um einen Geschehen und beim nächsten Tor findet man sich plötzlich mitten in der jubelnden Menge, umarmt Wildfremde und freut sich über den einzigartigen „Gesang“ des Fernsehkommentators: „Goooooool!“
Noch sind es einige Wochen bis zum Ende der Saison, noch warten einige spannende Spiele. Die Chancen für die „Merengues“, wie die Truppe von Mourinho auch genannt wird, sind realistisch gesehen zwar gering, doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Ganz abgesehen von dem Trubel um die zwei mächtigen Clubs sollte man auf eines nicht vergessen: Die Spieler und Fans der restlichen Clubs der spanischen Liga. Sie wissen von vorn herein, dass der Meistertitel nicht zu holen sein wird, geben aber trotzdem ihr Bestes. Sie sind wohl die wahren Helden, so soll Fußball und auch Sport sein!


Telefónica



